VON ANDREAS VOIGT
Stuhlbein statt Sandbunker, Blumenkübel statt Teichanlage: Bürogolf heißt eine neue Variante des Golfsports, die bei der hannoverschen Werbeagentur Steindesign kultiviert wird. Gespielt wird nicht in freier Natur auf dem Rasengrün, sondern auf dem Teppich im Büro. Bürogolf eben.
Klingt verrückt. Ist aber so. Was in den USA erfunden wurde und dort „Office putting“ heißt, wird seit Sommer über vier Geschosse in der historischen Reithalle an der Dragonerstraße gepflegt. Firmenchef Andreas Stein (47) sucht seither Gleichgesinnte – und findet sie: Einmal im Monat lädt Stein zu Ausscheidungswettkämpfen für die „Ersten Hannover-Büro-Golf-Open“ ein.
20 Bürogolfer wetteifern dann in vier oder fünf Gruppen, die „Flights“, um die ersten drei Plätze. Sie berechtigen zur Teilnahme an der Finalrunde im nächsten Jahr. Gesucht wird dann Hannovers bester Bürogolfer.
Und tatsächlich: Die Neun-Loch-Anlage führt mitten durch das Büro, immerhin 1000 Quadratmeter groß. Jede Lochanlage hat einen eigenen Namen und eigene Tücken. Beim „Kitchen runway“ zum Beispiel beginnt der Golfer auf dem Flur am Kopierer vor der Küche. Er muss einen acht Meter langen Korridor bis zum Feuerlöscher entlangspielen. Dann gehts links in einen Arbeitsraum, unter einen Tisch hindurch bis zum Loch.
Doch Vorsicht: „Wir bleiben schön auf dem Teppich“, sagt Mitorganisator Till Neitzke vom Webdesignbüro Wolff & Neitzke. Soll heißen: Der Ball darf nur Schläger, Boden und Lochfahne berühren. Kullert die Kugel gegen ein Stuhl- oder Tischbein, gegen einen Blumenkübel, dann gibts einen Strafpunkt. Er wird zu den Schlägen pro Loch hinzugerechnet.
Drei gute Gründe
26 Schläge sind für die Neun-Loch-Anlage bei Steindesign Standard, der Platzrekord liegt bei 26 Versuchen. Gute Chancen auf das Finale hat, wer bei etwa 30 Schlägen landet.
Warum Bürogolf? Andreas Stein nennt drei Gründe: „Spaß, Kontaktpflege und der gute Zweck.“ Zur Kontaktpflege: Steindesign setzt darauf, dass sich in geselliger Runde - wie beim echten Golf - Geschäftsbeziehungen anbahnen, die sich für das Büro oder die Teilnehmer als nützlich erweisen könnten.
Der gute Zweck: Wer einmal an der Ausscheidungsrunde teilgenommen hat, ist automatisch Mitglied im „Ersten Büro-Golf-Club Hannover Königliche Reithalle von 1866“. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 20 Euro - und kommt dem gemeinnützigen Verein Moebius-Syndrom Deutschland mit Sitz in Hannover zugute.
Zur Gepflogenheit des Bürogolfes gehört es, dass sich die Golfer nach der Runde zum Plausch in der Küche verabreden. „Manchmal“, sagt Andreas Stein, „waren das richtig lange Sitzungen.“
Heute lochen die Sportler wieder im Chefbüro ein
Heute um 17 Uhr gibt es eine neue Runde Bürogolf: ab 17 Uhr in der Dragonerstraße 34. Mitspielen kann jeder, der sich über das Internet anmeldet (mehr Info über Telefon 0511/288 99 84). Nächste Gelegenheit: 15. Dezember. Vorkenntnisse sind für Bürogolf nicht notwendig, Probeschläge können vor der Runde auf der Driving-Range absolviert werden. Ebenso sind Golfschläger vorhanden.
Die Teilnahme ist kostenlos. Wer einmal mitgespielt hat, ist automatisch Mitglied im Ersten Büro-Golf-Club und wird um einen Jahresbeitrag von mindestens 20 Euro gebeten. Das Geld ist für den Verein Moebius-Syndrom Deutschland mit Sitz Hannover bestimmt.
Beim Moebius-Syndrom handelt es sich um eine seltene angeborene Krankheit, die sich durch bleibende Lähmungen im Gesicht äußert. Vom Moebius-Syndrom betroffene Menschen sind oft von ihrer Gesichtsmimik her nicht in der Lage, zu lächeln oder zu lachen, mit der Stirn zu runzeln oder mit den Augen zu blinzeln. Oft kommt es auch zu Beeinträchtigungen an den Augenmuskeln, so dass eine seitliche Bewegung der Augen nur unzureichend möglich oder gänzlich unmöglich ist.
www.moebius-syndrom.de
www.buerogolf.de
(c) 1993 Verlagsgesellschaft Madsack
| Start | English | Schrift | Shop | MovieCenter | Ansprechpartner | Anfahrt | Kontakt / Impressum |


